Fotografin für Familien, Hochzeiten und Geburten in Hannover. » Individuelle Fotos von ganz großen Momenten und kleinen wunderbaren Augenblicken im Alltag.

Tante Emma auf Rädern

Am 30. November 2011 beendete der „Stop Shop“ in der Magdeburger Börde seine letzte Saison. Bis dahin versorgte der rollende Familienbetrieb haupsächlich ältere Leute in 53 Ortschaften regelmäßig mit Frisch- und Backwaren, Konserven und Drogerieartikeln.

Angefangen hatte alles vor 20 Jahren mit einer fixen Idee. Heidrun Rosenberg und ihr Mann übernahmen zuerst Erledigungen für ihre Nachbarn, versorgten bald die ersten drei „Kunden“ aus dem Kofferaum ihres PKW-Kombis und sattelten dann auf einen großen Transporter mit Kühlein- heit um.

Nach und nach stellten sie ein eigenes Sortiment zusammen, warben neue Kunden, entwickelten eine Route und etablierten ihren „Stop Shop“ in der Region. Dorfläden sind in der Börde rar und wer nicht auf lange und seltene Busfahrten angewiesen sein wollte, ließ sich von den Rosenbergs beliefern – gern und oft auch bis direkt vor die Haustür. Heidrun Rosenberg erfüllte auch gern besondere Bestellungen, fuhr kleine Schleifen, blieb auf ein kurzes Gespräch. Gerade ältere Leute ohne eigenes Auto oder auch Altersheimbewohner schätzen die so gewonnene Selbständigkeit sehr, mussten sie so nicht für jede kleine Besorgung die eigenen Kindern um Hilfe bitten.

Rund ums Jahr und an sechs Tagen die Woche verließ einer der beiden Rosenbergs morgens pünktlich um 7 Uhr

den Hof und kam nicht vor halb sechs wieder zurück. Der andere kümmerte sich um die Auffüllung des Lagers und um die Bestellungen. Eine Woche Urlaub gönnten sie sich im Jahr, um „niemanden zu lange alleine lassen zu müssen“. Einmal kippte der Transporter bei starkem Schneefall von der Landstraße. Einen anderen Job konnten sich beide trotzdem lange nicht vorstellen. Längst waren ihnen viele Kunden ans Herz gewachsen und sie nicht nur Lie- feranten, sondern auch wichtige und willkommene Gesprächspartner geworden.

Im Herbst 2011 beherrschen große Ladenketten die größeren Orte im Umkreis, in keinem einzigen Dorf gibt es noch Bäcker oder Dorfläden. Viele ältere Menschen behalten ihre Häuser, die meisten jungen folgen der Arbeit in die Stadt. Trotzdem schreibt der „Stop Shop“ rote Zahlen, die sich inzwischen auch nicht mehr mit Heidrun Rosenbergs „Bürojob“ kompensieren lassen, den sie eigens zur Rettung ihres rollenden Supermarktes an zwei Wochen- tagen angenommen hat. Ihr Kundenstamm wird kleiner, neue Familien und damit neue Routen gibt es kaum.

Für die letzten „Stop Shop“-Kunden – meist weit jenseits der 75 Jahre alt – waren die Rosenbergs längst mehr als ein „fahrender Aldi“ und manchmal auch der einzige Besuch der Woche. Nun werden auch sie sich umstellen müssen und sind wieder auf die Hilfe ihrer Kinder angewiesen.